Kambodscha & Vietnam
Nordost-Vietnam
Lotus Train, Ninh Bin, trockene Halong-Bucht Trang An, Mua Cave, Halong-Bucht
Dienstag, 03. Oktober 2023
Als es am Morgen hell wurde, war auf den Gängen des Lotus Trains bereits reges Treiben. Kaffee, Tee, Nudelsuppe und bereits kühles Bier wurde angepriesen.
Wir schoben die Vorhänge am Fenster zurück und genossen den Ausblick auf die liebliche, flache Landschaft, während wir frühstückten. Riesige Reisfelder und blauer Himmel offenbarten sich uns. Dazwischen tummelten sich einige Wasserbüffel.
In unseren, im Preis bereits enthaltenen, Frühstückstüten gab es Croissants, Toastbrot, Früchte, Milch und noch einiges mehr zum Knabbern. Kaffee und Tee wurde vom Lotus-Train-Team ebenfalls serviert.
Kurz nach 09:00 Uhr trafen wir nach zwölfstündiger Fahrt in Ninh Bin ein. Etwas schlaftrunken wechselten wir für eine kurze Fahrt in ein Taxi, welches uns in das Hotel Dibi Villa in der Ortschaft Tam Coc brachte.
Wir hatten Glück und konnten bereits unser Zimmer beziehen. Nach einer erfrischenden Abkühlung im Pool starteten wir zum Tagesausflug. Das grösste Highlight in Ninh Bin ist sicherlich eine Bootsfahrt in einem Sampan auf dem Trang An Fluss.
Das Gebiet Trang An ist auch bekannt als trockene Halong-Bucht und fasziniert mit einer herrlichen Landschaft. Ähnlich und unvermittelt wie in der berühmten Halong-Bucht, steigen steile, bizarr geformte Kalksteinfelsen aus den Reisfeldern auf. Seit 2014 gehört auch dieses Gebiet zum vietnamesischen UNESCO Welterbe.
Als wir dort eintrafen, war bereits Mittagszeit und die Sonne schien ohne Erbarmen auf uns runter. Mit 41 Grad Celsius gefühlt, 33 Grad in Realität, schleppten wir uns, wann immer möglich entlang dem Schatten zum Bootssteg.
Viel Betrieb herrschte um diese Jahreszeit nicht. Jedoch liessen die vielen Reihen in den Wartezonen darauf schliessen, dass hier in der Hochsaison der Andrang enorm sein musste. Für uns sah es aus wie die Warteschlangenschlaufen im Europa Park.
Wir konnten gleich in ein Sampan einsteigen. Die Boote werden hier ausschliesslich von Frauen gerudert. Unter sonnenschützenden Regenschirmen stachen wir in den Fluss und besuchten verschiedene Tempel und fuhren durch einige Wasserhöhlen, welche teilweise durch ganze Kalkberge hindurchführen.
Nach einem guten, typischen Mittagessen bestehend aus Ziegenfleisch und Gemüse, machten wir uns am Nachmittag auf zu den Bergen der Mua Cave. Highlight war sicherlich der Gipfel namens Hang Mua Viewpoint, auf welchen eine steile Treppe führt.
Es war unglaublich schweisstreibend die 468 Stufen zum 142 Meter höher gelegen Gipfel zu steigen. Unsere Wasservorräte waren aufgebraucht, als wir oben ankamen. Dafür hatten wir einen prächtigen Panoramablick auf Tam Coc und den Fluss Ngo Dong, während die Sonne langsam hinter dem Horizont verschwand. Trotz der vielen Touristen war es ein toller, absolut sehenswerter Ausflug.
Leider hatten wir nur den einen Tag in Ninh Bin, welchen wir am Abend gemütlich bei einem Abendessen abschlossen. Ich bestellte nochmals Ziege, denn diese Tiere waren zuhauf in den steilen Bergen unterwegs. Die mussten frisch sein – was sie auch waren. Mit den scharfen und leckeren Gewürzen einfach ein Genuss!
Weitere Fotos vom Dienstag, 03. Oktober 2023
Mittwoch, 04. Oktober 2023
Ein Tag in Ninh Bin ist sehr wenig. Trotzdem mussten wir bereits wieder weiter. Es lag noch so viel vor uns, was wir entdecken wollten. Das heutige Etappenziel war die weltberühmte Halong Bucht im Nordosten von Vietnam.
Um 07:30 Uhr holte uns Mr. Hieu mit seinem Auto ab. Mr. Hieu ist ein Gründer und der Customer Service Manager der Lotus Train Company, mit welcher wir vorletzte Nacht von Hue nach Ninh Bin fuhren. Es interessierte ihn natürlich, wie wir den Aufenthalt in den Zugabteilen bewerteten und welche Optimierungsmöglichkeiten es noch gab.
Für die 230 Kilometer lange Distanz benötigten wir gut 3,5 Stunden Fahrzeit. Unterwegs hatten wir Zeit, um uns mit Hieu zu unterhalten; so hatten wir die Gelegenheit einiges über das Land aus erster Hand zu erfahren.
Gegen Mittag erreichten wir die Halong Bucht und das Lan Ha Bay, wo wir wenig später mit Schnellbooten auf die Orchid Classic der Orchid Cruises übersetzten. Als der Onboarding Prozess abgeschlossen war und wir los in die See zu den faszinierenden Kalksteinbergen losfuhren, startete ein neuer Abschnitt unserer Reise.
Auf diesem luxuriösen Schiff hatten wir für die nächsten drei Tage zwei Suiten, die mit einer Tür verbunden waren, gebucht. Die Kabinen waren gross, geschmackvoll mit viel Holz eingerichtet und hatten eine riesige Fensterfront. Die Crew war sehr gut geschult, freundlich und immer zuvorkommend. Man fühlte sich als König; teilweise schon fast mit einem beschämenden, so behandelt zu werden. Doch wir waren hier, also genossen wir dieses Leben.
Nach einem vielseitigen und grossen Mittagsbuffet verbrachten wir auf dem obersten Deck an der Sun Deck Bar den Nachmittag. Der Grossteil der Gäste unternahm einen organisierten Ausflug, um irgendwelche Tempelanlagen zu besichtigen. Doch davon hatten wir bereits genügend gesehen. Wir liessen uns mit frisch zubereiteten Cocktails verwöhnen und chillten im Jacuzzi, welcher sich prominent am Bug des Schiffes befand.
Um 17:00 Uhr startete dann die Happy Hour und vor dem Abendessen konnten wir vom Schiffsheck noch in das Meer hineinspringen. Beim anschliessenden Squid-Fischen hatte niemand Glück. Zwar schwamm ein Tintenfisch vorbei, doch der interessierte sich nicht für die glitzernden Köder.
Weitere Fotos vom Mittwoch, 04. Oktober 2023
Donnerstag, 05. Oktober 2023
Wir wachten mit Blick auf das Wasser mit den vielen skurrilen Kalkinseln auf. Dank der grossen Panoramafenster spielte sich die Szenerie der Landschaft wie ein Film vor unseren Augen ab. Die Orchid Cruise fuhr langsam durch das Insellabyrinth, in welchem man mit ein wenig Fantasie kariöse Drachenzähne, versteinerte Mammuts, erstarrte Saurier und Feen entdecken konnte.
Insgesamt zählt die Bucht rund 2’000 Kalksteininseln aus verkarsteten Felsnadeln und Bergkegeln. Ha Long, was übersetzt “Herabsteigender Drache" bedeutet, entstand der Legende nach durch die wütenden Schweifhiebe einer Drachenmutter, die den Vietnamesen auf Geheiss des Himmels gegen Feinde aus dem Norden (China) zu Hilfe eilte. Als ihr massiger Leib nach getaner Arbeit im Meer versank, verdrängte er so viel Wasser, dass Täler und Schluchten schlagartig versanken und nur die schrundigen, zerklüfteten Gipfel zurückblieben.
Nüchtern betrachtet handelt es sich um eine uralte geologische Formation: die Überreste gewaltiger Muschelkalkbänke, die vor 300 Mio. Jahren heranwuchsen und stehenblieben, als sich das hinterindische Festland aus dem Meer emporhob. Der Meeresspiegel stieg und fiel im Rhythmus von Eiszeiten und Wärmeperioden. Wind und Wellen zersplitterten und verformten das ursprünglich flache Kalksteinplateau im Lauf von Jahrmillionen in abertausende Inseln und Felsnadeln, als seien sie tatsächlich das Werk eines urzeitlichen Fabelwesens.
Nach dem Frühstück fuhren wir von der Orchid Cruise mit dem Speedboat zu einer Insel, wo wir dem Viet Hai Village einen Besuch abstatteten. Den Weg vom Steg zum kleinen Dörfchen fuhren wir mit dem Fahrrad. Sogar ein Kinderfahrrad für Luca wurde aufgetrieben. Der Fahrtwind brachte eine angenehme Kühlung, auch wenn es ab und zu steil bergaufging.
Am Nachmittag machten wir uns auf zum Kajakfahren, wo wir leider in den touristischen Strudel der Halong Bucht gelangten. Zahlreiche Motorboote, Kayaks und Badegäste teilten sich einige Sandstrände. Die Luft war voller Dieselgestank und das Wasser ölig und mit Plastikabfällen bestückt. Dies motivierte uns nicht zum weiteren Baden und wir paddelten zurück zur Orchid.
Bezaubernd war jedoch erneut der Sonnenuntergang auf dem Deck. Eine laue Briese, sanfte Farben und chillige Musikklänge unter freiem Himmel. Das sind Ferien!
Weitere Fotos vom Donnerstag, 05. Oktober 2023
Freitag, 06. Oktober 2023
Es war sehr still auf der Orchid und auch rund um das Schiff. Noch immer hielten sich einige Schiffe in der Gegend, die über Nacht geankert hatten.
Einige Personen waren mit den Kayaks unterwegs. Unsere Familie hatte sich fürs Ausschlafen entschieden. Ich genoss den Tagesanbruch an Deck. Wir befanden uns noch rund 15 Kilometer vom Festland entfernt, zu dem wir um 08:30 Uhr aufbrachen.
Es schmerzte zu sehen, wie stark das Meer von Plastik, Styropor und sonstigem Abfall verschmutzt war. Lust zum Baden bekamen wir da nicht. Trotzdem bedauerten wir, die Orchid Cruise und die ansonsten grandiose Halong Bucht verlassen zu müssen. Doch mit dem Besuch des Nordens von Vietnam, begann ein neuer Abschnitt unserer Reise, auf den wir uns sehr freuten.
Um 11:30 Uhr startete der Shuttle-Transfer von Ha Long nach Hanoi. Es herrschte starker Verkehr in der Hauptstadt von Vietnam, sodass wir erst gegen 15:00 Uhr unser Hotel mit dem lustigen Namen «Golden Rooster» erreichten. Wir checkten ein und begaben uns sogleich in das Getümmel des Stadtlebens. Nach der langen Autofahrt wollten wir uns ein wenig bewegen.
Downtown Hanoi ist laut, quirlig und chaotisch und kam uns vor wie ein lebendiges Mosaik. Motorroller schlängeln sich hupend durch enge Strassen, während Strassenverkäufer dampfende Suppen, frische Früchte und Kaffee anbieten. Kolonialbauten wechseln sich mit alten, schmalen Wohnhäusern ab, deren Balkone voller Pflanzen, wie kleine schwebende Gärten, wirken. Überall liegt der Duft von Gewürzen, gegrilltem Fleisch, Abgasen und nassem Asphalt in der Luft. Aus den kleinen Gassen mischen sich Lachen, Verkaufsrufe und das Klirren von Geschirr zu einem konstanten Hintergrundklang, der die Stadt begleitet. Eine Mischung, die uns gleichermassen überforderte und zugleich faszinierte. Nach der ruhigen Abgeschiedenheit der letzten Tage auf dem Schiff wirkte das wie ein drastischer Kontrast.
In einer Seitenstrasse kehrten wir in eines der vielen «Bánh mì»-Strassenrestaurants ein und verköstigten uns mit der typischen vietnamesischen Sandwich-Spezialität: ein knuspriges, leichtes Baguette, gefüllt mit Fleisch oder Tofu, eingelegtem Gemüse, frischen Kräutern und etwas Chili. Die Mischung aus süssen, sauren, salzigen und scharfen Aromen verkörpert perfekt die Verbindung von französischer Brottradition und vietnamesischer Strassenküche. Sie schmeckten uns so gut, dass wir gleich noch eine zweite Portion bestellten.