Kambodscha & Vietnam
Zentral-Vietnam
Da Nang, Marble Mountains, Son Trà, Lady Buddha, Vietnamese Mid Autumn Festival, My Son, Hai-Van-Pass, Hoi An und die Kaiserstadt Hue
Mittwoch, 27. September 2023
Wir verliessen das Hotel und Saigon, mit dem am Vorabend bestellten Taxi, kurz vor acht Uhr. Es brachte uns zum Flughafen Tan-Son-Nhat, wo wir mit Vietnam Airlines der Hauptstadt tschüss sagten, um nach Da Nang zu fliegen.
Da Nang liegt im Zentrum Vietnams und hat wunderschöne Sandstrände, auf welche wir uns freuten. Die Weiterreise klappe wiederum problemlos und nach eineinhalb Stunden Flug erwartete uns der organisierte Taxifahrer für den Transfer zum Hotel.
Dieses Mal leider ohne Tuk-Tuk, sondern mit Auto. Tuk-Tuk scheint es hier keine zu geben. Wir checkten im Salmalia Boutique Hotel ein, wo wir die nächsten drei Nächte bleiben würden. Leider konnten wir das Zimmer erst ab 14:00 Uhr beziehen, so machten wir uns nach dem Mittagessen auf zu den “Marble Mountains”, welche mehrere buddhistische und hinduistische Grotten beherbergen.
Ein Taxi brachte uns zum 20 Minuten entfernten mystischen Ort. Insgesamt handelt es sich um fünf freistehende, bis zu 100 Meter hohe, Felsen, die wie dicke Finger aussehen und mitten aus der brettflachen Ebene Zentralvietnams und einem Meer von Häusern aufragen. Sie bestehen nur zu einem geringen Teil aus Marmor (= „marble“) und hauptsächlich aus Kalkstein. Die teilweise scharfkantigen Wasserrillen erinnerten an Kletterabenteuer in den Gastlosen.
Die Hügel sind nach den fünf Elementen benannt: Kim (Metall), Thuỷ (Wasser), Mộc (Holz), Hoả (Feuer) und Thổ (Erde). Über Jahrhunderte hatten die Marmorberge eine besondere Bedeutung für die Menschen in Zentralvietnam. Die alten Cham, eine ethnische Minderheit Vietnams, verehrte die Karstgebiete als spirituelle Stätte und vietnamesische Kaiser aus Hue und legendäre Generäle, die durch die Gegend kamen, statteten den Gipfeln Besuche ab und trugen so zur Fülle ihrer Legenden bei.
Heute beherbergt Marble Mountains ein Netzwerk aus Höhlen, Tunneln, Türmen und Pagoden, die von Mahayana-Buddhisten und den Königen der Nguyen-Dynastie erbaut wurden. Die Bauwerke und Schreine fügen sich harmonisch in die Natur ein: Weinranken tropfen von oben, Frangipani- und Poinciana-Bäume lassen ihre Blüten auf den Steinwegen fallen und die verzierten Dächer der Pagoden funkeln in der tropischen Sonne. Man fühlt sich wie in einem Fantasyfilm. Es ist schwierig die Stimmung wiederzugeben, welche hier auf den Besucher wirkt.
Eine Treppe mit 156 Stufen führte uns zum Gipfel des Thuy Son, dem einzigen Marmorberg, der für Besucher zugänglich ist. Beim Hinaufgehen schwitzten wir ganz schön. Da kamen die kühlenden Höhlen oder buddhistischen Tempel gerade richtig.
Am besten hat mir die grösste Höhle, die Huyen Khong, gefallen. Durch die eingestürzte Decke dringen dort Lichtstrahlen hinein, welche den Innenraum erhellen. Huyen Khong diente einst als Geheimstützpunkt und später als Feldlazarett für vietnamesische Revolutionäre. Seine atemberaubende Grösse erscheint vom Eingang aus unwahrscheinlich, aber er ist gross genug, um einen massiven Steinbuddha und zwei Schreine zu beherbergen. Einer der Schreine ist dem Gott und der Göttin der Heiratsvermittlung gewidmet und ein beliebter Treffpunkt für Paare und Singles.
Zurück in Da Nang packten wir unsere Badesachen und gingen an den herrlichen My Khe Beach. Es wehte die rote Fahne und gebadet durfte nur in ausgewiesenen Bereichen werden. Diese Abschnitte wurden durch mehrere Life Guards überwacht, die in asiatischer Manier und Aufmerksamkeit immer stehend und jederzeit bei einem Notfall einsatzbereit waren. So wie ich die Badenden einschätzte, konnten die wenigsten richtig schwimmen.
Die Wassertemperatur von 30 Grad lud zum Verweilen ein. Wir blieben, bis es dunkel wurde und die Life Guards den Sektor zum Schwimmen schlossen. Im Licht des Vollmondes und der Skyline der Gebäude schlenderten wir noch ein wenig dem feinen Sandstrand entlang. Wir haben im hotelnahen Restaurant Emo zu Abend gegessen.
Donnerstag, 28. September 2023
Die Familienmehrheit beschloss heute auszuschlafen. Nach dem Frühstück planten wir die nächsten Tage und organisierten Transfers. Die Planung der Reise und Ausflüge beanspruchten seine Zeit und wir waren froh, dass wir vieles schon von zu Hause aus organisiert hatten. Auch mussten unsere Kleider wieder einmal gewaschen werden, was am einfachsten geht, wenn man mehrere Nächte in der gleichen Unterkunft verbringt.
Zum heutigen Ausflug starteten wir daher erst nach dem Mittagessen. Mit dem Taxi fuhren wir zur Halbinsel Son Trà (Affe), auch genannt Monkey Island. Doch bevor wir Affen zu Gesicht bekommen würden, statteten wir der gigantischen Lady Buddha in der grossen Parkanlage einen Besuch ab.
Sie befindet sich im Innenhof der Linh Ung-Pagode und ist 67 m hoch. Sie ist die höchste Buddha-Statue in Vietnam und gilt unter Vietnamesen als Beschützerin vor Naturgewalten, wie schweren Regenfällen oder Tsunamis.
Der umgebende Komplex wurde bereits im 18. Jahrhundert angelegt, Lady Buddha hingegen wurde deutlich später errichtet. Wir waren überwältigt von der grossen Anlage und schlenderten durch die Ansammlung der vielen Bonsai-Bäume. Auch die Aussicht auf Da Nang und das Meer war spektakulär. Der Ausflug hatte sich schon gelohnt.
Doch eigentlich sind wir ja wegen der Affen gekommen. Hier sollte eine Gruppe von Kleideraffen leben, die wir sehen wollten.
Mit dem Auto fuhren wir weiter auf die Insel hinaus und siehe da, eine Gruppe von Affen turnten entlang der Strasse und schauten neugierig auf die fotografierenden Zweibeiner. Jedoch handelte es sich um Paviane und nicht um Kleideraffen. Leider bekamen wir die Letzteren nicht zu Gesicht.
Auf dem Rückweg kehrten wir für einen Kaffee im Restaurant Son-Tra Marina ein, um die kleine Hafenbucht zu begutachten. Am 8. März 1965 landeten hier 3’500 US-Marines. Hanoi sprach damals von einer "offenen Kriegserklärung". In den folgenden Jahren schickten die USA sogar noch mehr Soldaten nach Südvietnam. 1968 waren es um die 550'000.
Elf Jahre wütete der Krieg zwischen Nord- (kommunistisch) und Südvietnam (anti-kommunistisch). China und die Sowjetunion unterstützten die Nordvietnamesen und standen damit der Supermacht USA gegenüber, welche die Südvietnamesen unterstützte. Die Amerikaner warfen im Verlauf des Krieges acht Millionen Tonnen Bomben auf Vietnam ab, mehr als doppelt so viel, wie im gesamten zweiten Weltkrieg zum Einsatz kamen. Viele Vietnamesen litten ausserdem unter dem Einsatz hochgiftiger Chemikalien, wie dem Pflanzengift "Agent Orange", dass die Amerikaner im Dschungel versprühten.
Zurück in Da Nang verweilten wir am späteren Nachmittag im Meer. Mit 30 Grad Celsius Wassertemperatur lässt es sich gut aushalten! Am Abend fuhren wir ins Helio Center, ein Quartier, wo es einen Drachentanz-Auftritt zu Ehren des “Vietnamese Mid Autumn Festival” geben sollte.
Das Mittherbstfest, auch Mondfest oder Mondkuchenfest genannt, ist ein Erntefest, das in der chinesischen Kultur gefeiert wird. Es findet am 15. Tag des 8. Monats des chinesischen Lunisolarkalenders bei Vollmond in der Nacht statt, was Mitte September bis Anfang Oktober des Gregorianischen Kalenders entspricht. Die Chinesen glauben, dass der Mond an diesem Tag seine hellste und grösste Grösse erreicht und mit der Erntezeit mitten im Herbst zusammenfällt. Tatsächlich war der Mond am Himmel die folgenden Nächte in einer faszinierenden Grösse zu sehen!
Auf Vietnamesisch heisst der Anlass "Têt Trung Thu". Ähnlich in China geht es beim Mid-Autumn Festival um ein Wiedersehen, einen Wunsch nach einer Fülle von Freude und Glück. In Vietnam ist das Mid-Autumn Festival jedoch hauptsächlich für Kinder.
Entsprechend viele kleine Teilnehmer waren vor Ort und warteten gespannt auf den Auftritt des Drachens, welcher durch laute Trommeln angetrieben wurde. Das ganze Spektakel war natürlich begleitet von viel Musik, Essen und Getränken. Zahlreiche Streetfood-Stände sorgten für das leibliche Wohl.
Nach der Darbietung fuhren wir mit dem Taxi zum Tanzen in den Koto Club. Schon mehrmals waren wir an dem imposanten Club vorbeigefahren und die Kinder hatten jedes Mal gebettelt, endlich hineingehen zu dürfen. Der Koto Club war nicht einfach eine Disco, sondern ein Nightclub mit live DJ, halbnackten Tänzerinnen, Animateuren und live MC. Als wir ankamen, waren wir uns noch nicht sicher, ob wir mit den Kindern überhaupt hineingelassen werden. Doch die Vietnamesen sind ein offenes Volk und schliesslich bringen wir ja Geld in die Kasse.
Wir waren alle positiv überrascht und tief beeindruckt von dem Lokal und dessen Qualität. So was in dieser Klasse hatten wir alle – vor allem die Erwachsenen 😊 - noch nie erlebt. Wir genossen das Clubleben in vollen Zügen und tanzten bis spät in die Nacht hinein.
Weitere Fotos vom Donnerstag, 28. September 2023
Freitag, 29. September 2023
Heute stand uns ein langer Tag bevor. Wir hatten einen Fahrer mit Auto organisiert, der uns bis in die Nacht hinein begleiten würde. Als erstes stand ein Besuch der 60 Minuten entfernten Tempelstadt My Son an. Die Ruinen stehen seit 1999 unter dem UNESCO Weltkulturerbe.
Im Unterschied zu anderen Cham-Stätten liegt My Son in einer Talsenke und ist in Tempelgruppen angeordnet. My Son war der grösste Tempelkomplex Champas. Zwischen dem 4. und 13. Jh. war er religiöser und kultureller Mittelpunkt und überlebte damit ungleich länger als fast alle anderen bedeutenden Kultstätten Südostasiens. Von rund 70 Bauwerken aus fast allen Epochen Champas, sind heute nur mehr die Überreste von 20 erhalten.
Das Klima war gnadenlos schwül und heiss. Man konnte sich an der Sonne nur kurz aufhalten und war danach gleich wieder froh, sich unter den schattenspendenden Bäumen auszuruhen. Trotzdem war es ein Erlebnis diese Anlagen zu besichtigen. Die plump formulierten “Backsteinanlagen” erinnerten mich an Gebäude in England.
Unser Ausflug mit dem Auto ging weiter ostwärts, bis wir das Meer erreichten. In der Nähe des An-Bang-Strandes liessen wir uns im chilligen Strandrestaurant Wild Beach nieder und assen dort unter Strohsonnenschirmen direkt am Wasser zu Mittag. Im Anschluss an das feine Essen liessen wir uns auf den Strandliegen massieren und gingen im warmen Meerwasser baden.
Die Fahrt ging weiter nach Hoi An. Die kleine Küstenstadt, so schreibt die UNESCO, ist mit ihrer Altstadt ein aussergewöhnlich gut erhaltenes Beispiel für einen südostasiatischen Handelshafen aus dem 15. bis 19. Jh., eine Verschmelzung von einheimischen und fremden Kulturen im Laufe der Zeit (vor allem chinesischen und japanischen, mit späteren europäischen Einflüssen).
Wir trafen um 17:30 Uhr, kurz bevor es dunkel wurde, im Ort ein. Die Seidenlampions, ein Wahrzeichen der Stadt, waren bereits omnipräsent und luden zum Schlendern entlang den vielen Strassen und Gassen ein.
Wir folgten den unzähligen Verkaufsständen hinunter zum Fluss Han und warfen uns in die massige, touristische Menschenmenge. Eine Bootstour auf dem Han durfte natürlich nicht fehlen sowie das Aufgeben eines Wunsches mittels einem Wasserlampions in den Fluss.
Das Schlendern entlang den Ständen war spannend, aber auch sehr ermüdend. Alles war quirlig, laut und hektisch. Wir genossen daher die Rückkehr durch die ruhigen Seitenstrassen von Hoi An zum vereinbarten Treffpunkt mit unserem Fahrer.
Sicherlich könnte man in dieser vielseitigen Stadt noch einige interessante Tage verbringen. Die vielen Boutiquen, Schneidereien, Kaffees und die nahegelegenen Strände laden dazu ein. Wir zogen jedoch lieber weiter in hoffentlich weniger touristische Orte, auch wenn wir dort auf die bunten Lampions verzichten müssen.
Weitere Fotos vom Freitag, 29. September 2023
Samstag, 30. September 2023
Wir verliessen Da Nang nach drei enorm erlebnisreichen Tagen kurz vor 13:00 Uhr. Am Vormittag erfrischten wir uns noch in der tollen Swimmingpool-Anlage des Hotels Salmalia und stellten unsere zwei Reisetaschen für die Zugreise nach Hue zusammen.
Ein Taxi brachte uns zum Bahnhof. Wenig später rollten wir schon auf den Schienen der Vietnam Railway im Zug SE4 nach Hue. Der Standard und vor allem die Sauberkeit liessen zu wünschen übrig. Alles war schmutzig, die Fenster verdreckt und ab und zu huschte eine Kakerlake vorbei. Es war das erste Mal auf unserer Reise, wo wir uns mehr Sauberkeit wünschten.
Wir befanden uns hier auf einer der schönsten Streckenabschnitte des Reunification-Expresses (Wiedervereinigungs-Express), der seit dem 31. Dezember 1997 wieder Nord- und Südvietnam verbindet. Die zweieinhalbstündige Fahrt über den Hai-Van-Pass (Wolkenpass) zwischen Da Nang und Hue ist wirklich sehr zu empfehlen. In steilen Kurven schraubt sich der Zug den Berg hinauf, man sieht das wilde Meer, den Strand und das Grün der Bäume und Reisfelder.
In Hue erwartete uns bereits ein Taxi am Bahnhof, welches uns zum Hotel Hue Sweethouse 1 Homestay brachte. Hier liessen wir uns für die nächsten zwei Tage nieder. Mit 25 Schweizer Franken pro Nacht für ein Familienzimmer zählte dieses Homestay sicherlich zu den günstigsten Nachtquartieren unserer Reise.
Am Abend erkundeten wir das Arbeiterviertel mit den vielen bunten Restaurants und gingen müde und mit vollen Bäuchen frühzeitig ins Bett.
Weitere Fotos vom Samstag, 30. September 2023
Sonntag, 01. Oktober 2023
Auf unserer Reise befanden wir uns nun bereits in Zentralvietnam und in der früheren Kaiserstadt Hue. Hier liessen sich die Spuren von Vietnams letzter Dynastie (1802-1945) bestaunen.
Die Zitadelle mit der Kaiserstadt und der verbotenen Purpurnen Stadt (oder dem, was davon noch übrig ist) gilt als Hauptattraktion Hues. Einige Kilometer ausserhalb der Stadt befinden sich sechs Kaisergräber, imposante, palastartige Mausoleen, mit denen die Kaiser oft schon zu Lebzeiten ihrem Ego ein Denkmal setzten.
Heute waren wir als Easy-Rider Motorradhelden unterwegs. Drei Motorräder mit Fahrer, die wir im Homestay buchten, standen für uns bereit. Emilia und Luca teilten sich mit dem Fahrer ein Bike.
Als erstes besichtigten wir das Mausoleum of Emperor Khai Dinh. Eine äusserst interessante und sehenswerte Anlage. Die Grabanlagen sind inspiriert von den chinesischen Ming-Gräbern, aber trotzdem keine Kopien. Die meisten wurden bereits zu Lebzeiten des Kaisers begonnen und zum Teil auch fertiggestellt. Geomanten berechneten vor Baubeginn die beste Lage, wobei himmlische wie irdische „Strömungen", aber auch Wind- und Wasserverhältnisse eine Rolle spielten. Von ihrem Aufbau her sind alle Grabmäler nach dem gleichen Schema angelegt. So ist jede Grabanlage, wie die Kaiserstadt, von einem Mauerwall umgeben. Der Eingang führt auf einen gepflasterten Ehrenhof mit einer von rituellen Steinfiguren gesäumten Geisterallee. In der Regel stehen auf jeder Seite der Allee ein Elefant, ein gesatteltes Pferd sowie je zwei Militär- und Zivilmandarine, erstere mit rundem Hut und Schwert, letztere mit zylindrischem Hut und Jadezepter. Die Figuren sollen den Kaiser schützen und ihm das letzte Geleit geben.
Ein touristisches Ziel der anderen Art war der anschliessende Besuch eines Wasservergnügungsparks, welcher nie ganz fertiggestellt und seit mehr als zehn Jahren sich selbst und der Natur überlassen wird. Gespenstisch überwucherte Wasserrutschen, kaputte leere Fischaquarien, eine Art Amphitheater, ein paar seltsame Kunstinstallationen und, als Highlight, ein wunderschöner Turm in Form eines Drachens im See, dem man über eine Treppe im Inneren ins Maul klettern kann. Zwischen seinen Zähnen stehend hat man einen schönen Ausblick über die friedliche Wald- und Hügellandschaft.
Nach diesem unwirklichen und skurrilen Ort besuchten wir eine Fabrik bzw. Laden, wo Räucherstäbchen von Hand und noch ursprünglich produziert wurden (so verkaufen sie es zumindest den Touristen). Natürlich haben wir welche gekauft, ehe wir nach einem obligaten Touristenfoto zwischen Räucherstäbchen mit den Motorrädern weiterfuhren.
Bevor wir auf eine Fahrt auf dem Parfümfluss starteten, assen wir noch eine Kleinigkeit, welche dann wie immer doch grösser ausfiel als gewollt und wir wie so oft in eine Fressnarkose fielen. Da kam die Fahrt im Boot gerade richtig.
Der Fluss Song Huong, der durch Hue fliesst, wird als „Parfüm-Fluss" oder „Fluss der Wohlgerüche" bezeichnet. Der Name müsste aber korrekt eher mit „Duft-Fluss" übersetzt werden. Von den zahlreichen Namensdeutungen sind die meisten im Reich der Märchen und Legenden anzusiedeln. Am plausibelsten erscheint noch jene, die auf die duftenden Pollen verweist, die der Fluss zu bestimmten Zeiten des Jahres mit sich führt.
Als wohlduftend haben wir das Gewässer jedenfalls nicht erlebt. Nach knapp 20 Minuten Fahrt erreichten wir die Thien Mu Pagoda, welche wir in einem kurzen Rundgang besichtigten.
Nach weiterer 20-minütiger Fahrt besuchten wir die weitläufige Zitadelle und die Kaiserstadt. Innerhalb dieser gewaltigen Festungsmauern lebte der gesamte Hofstaat. Darin eingebettet erbauten sich die Herrscher der Ngyen-Dynastie eine separate Verbotene Stadt nach dem Vorbild der kaiserlichen Anlagen in Peking. Die purpurne Kaiserstadt war nur wenigen zugänglich, deswegen auch der Zusatz des Verbots. Das Ensemble wurde während der sogenannten Tet-Offensive der Amerikaner im Jahre 1968 stark beschädigt. Die Têt-Offensive war eine gross angelegte Offensive von Nordvietnam und dem Vietcong (kommunistische Guerillabewegung) gegen Südvietnam und die dort stationierten US-Truppen — und zwar während des vietnamesischen Neujahrsfestes Têt 1968. Diverse Initiativen kümmern sich um den Wiederaufbau. Seit 1993 steht die verbotene Stadt zudem unter dem Schutz des UNESCO-Weltkulturerbes.
Gerne wären wir noch länger durch diese Anlagen “gewandert”, doch die Sonne war dermassen stark, dass wir nicht mehr konnten. Wir gönnten uns zwei Velo Rikschas und liessen uns zum Hotel chauffieren. Es war ein bedrückendes Gefühl, in dem dichten motorisierten Verkehr als schwächster Verkehrsteilnehmer unterwegs zu sein. Doch wir kamen unversehrt an. Trotz des dominierenden Verkehrschaos wird Rücksicht genommen. Ein Chaos mit System und ungeschriebenen Spielregeln.
Weitere Fotos vom Sonntag, 01. Oktober 2023
Montag, 02. Oktober 2023
Gestern waren wir bereits um 21:00 Uhr im Bett. Wir hatten also eine lange und erholsame Nacht hinter uns. Nach dem Frühstück packten wir unsere Taschen zusammen und deponierten diese an der Rezeption des Sweet House Hotels.
Heute stand ein Trekking im Bach Ma National Park an. Dazu hatten wir eine Tagestour über einen Veranstalter gebucht. Wir hatten Glück und es kamen keine weiteren Gäste mit! Eine andere Familie hatte kurzfristig abgesagt und so tuckerten wir ganz allein im klimatisierten Van in Richtung Südwesten zum Câu Hai See.
Wenig später verliessen wir die Hauptstrasse und fuhren weiter zum Eingang des Nationalparks. Zusammen mit Sam, unserem privaten Guide, besuchten wir die äusserst interessante Ausstellung des Bach Ma Nationalparks.
Die Franzosen gründeten in Bach Ma bereits in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts auf dem Gipfelplateau einen kleinen Sommerkurort, der vor allem von französischen Kolonialbeamten besucht wurde. Erste Schutzzonen wurden ab 1937 eingerichtet, eine befestigte Gipfelstrasse war bereits ab 1939 in Betrieb.
Mit der Niederlage der Franzosen in Dien Bien Phu (1954) geriet Bach Ma schnell in Vergessenheit und viele Gebäude wurden zerstört, damit die Franzosen keine Motivation mehr hatten, wieder zurückzukehren. Während des Vietnamkrieges erkannten die amerikanischen Streitkräfte die strategische Bedeutung des Bach-Ma-Berges, um von dort die Küstenebene zwischen Hue und Da Nang zu kontrollieren. Direkt auf dem Gipfel errichteten sie einen Hubschrauberstützpunkt und verteidigten diesen gegen zahlreiche Angriffe des vietnamesischen Widerstands.
Noch heute erinnern Schützengräben und ein verfallenes Tunnelsystem unterhalb des Gipfels daran. Durch einen Tunnel führte uns Sam auf dem Weg zum Berggipfel. Es war für uns schon erstaunlich, dass die Süd-Vietnamesen direkt unter dem Stützpunkt so ein Tunnelsystem bauen konnten, ohne bemerkt zu werden. Der Feind der USA war direkt über ihnen und hatte sich dort versteckt! Heute leben zum Glück nur noch Fledermäuse in den Tunneln. Offenbar hatten wir sie aufgeschreckt, denn plötzlich schossen hunderte von ihnen durch den engen Gang. Wir mussten uns schnell ducken und die Hände vors Gesicht halten.
Auf dem Gipfel des Bach Ma Mountain machten wir eine Kaffeepause. Ja, Sam hatte heisses Wasser in einer Thermosflasche und Kaffeepulver in seinem Rucksack mitgenommen. Im Gebäude erinnert eine Fotoausstellung an die damalige französische Kolonie und den amerikanischen Militärstützpunkt.
Interessant ist auch die Geschichte des Gebietes: Der Name Bach Ma bedeutet „Weisses Pferd“, benannt nach der weissen Wolke um den Berggipfel. Der Legende nach ritten die Götter früher zu Pferd auf diesen Berg, um dort Schach zu spielen. Während des Spiels suchten die Pferde nach frischem Gras. Sie widmeten sich so sehr dem Gras, dass die Götter lange auf ihre Pferde warten mussten und schliesslich ohne sie in den Himmel flogen. Die Pferde wanderten eine lange Zeit durch die Berge und verwandelten sich schliesslich in Wolken, die wie weisse Pferde aussahen. Daraus entstand der Name Bach Ma.
Vom höchsten Punkt des Berges hatten wir jedoch aufgrund der “Pferde”-Wolken leider keine Aussicht. Bei gutem Wetter soll man einen Rundblick von den Höhenzügen der annamitischen Kette bis zur Lagune von Cau Hai und der vorgelagerten Küste haben. Vielleicht beim nächsten Besuch.
Wir machten uns auf zum Fünf-Seen-Wanderpfad, eine tolle, jedoch anstrengende Wanderung entlang eines Flussbettes. Die steilen und gefährlichen Abschnitte waren mit Kabeln oder Stahlseilen gesichert. Dies erleichterte das Kraxeln über die Felsen und das Durchwaten des Flusses. Da es regnete, waren die Steine und Wurzeln äusserst rutschig. Aber es machte ausserordentlich Spass, auch wenn wir in unseren Regenponchos wie Ausserirdische daherkamen.
Beim dritten See machten wir Mittagspause und gingen in dem wunderschönen Wasserbecken baden. Jeder von uns bekam eine Thermo-Picknicktasche, in welcher sich verschiedene Tupperware-Gefässe mit Essen befanden. So hatten wir ein vollständiges, warmes Mittagessen. Sogar frische Chilis hatte Sam mit dabei.
Beim letzten Wanderabschnitt besuchten wir den 300 m hohen Rhododendron-Wasserfall. Der Ausblick vom Plateau auf die Urwaldlandschaft war faszinierend. Auf dem Rückweg kamen wir mitten im Dschungel bei einer grossen Lady Buddha Statue vorbei. Schon spannend, was Bach Ma alles zu bieten hat.
Auf der Heimfahrt nach Hue nickten die meisten von uns ein. Zurück im Hotel holten wir unsere bereits gepackten Taschen ab und fuhren in das Schwesterhotel Sweethouse 2, wo wir duschen und uns umziehen konnten. Nach dem Abendessen ging es mit dem Taxi zum Bahnhof, wo wir um 21:00 Uhr in den Nachtzug nach Ninh Bin stiegen.
Wir hatten in dem sogenannten “Lotus Train” (SE 20) eine Kabine mit Liegebetten gebucht. Das Abenteuer durch die Nacht konnte losgehen. Die sauberen Wagons und die bequemen Liegen versprachen einen angenehmen Aufenthalt. Der Lotus Train besteht aus speziellen Touristen¬waggons, die an den regulären Zug angekoppelt, jedoch deutlich komfortabler ausgestattet sind. Schon beim Einsteigen erwarteten uns kostenlose Getränke und kleine Snacks.