Lötschberger Südrampe
Der Wanderklassiker führt entlang der über 100-jährigen Lötschberg-Bergstrecke von Hohtenn über Ausserberg, Eggerberg und Lalden bis nach Brig. Ein aussergewöhnliches Wandererlebnis, das Natur, Kultur und Technik in eindrucksvoller Weise miteinander verbindet.
Sonntag, 09. Juni 2024
Damit ich rechtzeitig um 06:58 Uhr den Zug in Olten erwischen und zu Dominik hinzustossen konnte, musste ich mit dem Velo zum Bahnhof Liestal fahren. So früh am Sonntagmorgen fuhr leider noch kein Bus.
Die kühle Morgenluft lies mich wach ankommen und der Kaffee und das frische Croissant schmeckten danach umso besser. Wie geplant, stieg ich dann in Olten zu Dominik in den EC Richtung Spiez und wir setzten die Fahrt ins Wallis gemeinsam fort.
Um nach Hohtenn zu gelangen, mussten wir in den Regionalexpress Richtung Brig umsteigen und nochmals eine Dreiviertelstunde durch den Lötschberg tuckern. Eine Station nach Goppenstein kam dann schliesslich die unscheinbare Bahnstation Hohtenn, wo der Zug nur auf Halt-auf-Verlangen stoppte.
Das rund 200-seelengrosse Dorf liegt auf einer Terrasse am östlichen Ende des Lötschentals und bietet eine weite Aussicht über das Rhonetal und die umliegenden Alpen. Es gilt als einer der klassischen und beliebtesten Einstiegspunkte in die Lötschberger Südrampe. Der Wanderweg führt von hier entlang der über 100-jährigen Lötschberg-Bergstrecke über Ausserberg, Eggerberg und Lalden bis nach Brig.
Kurz nach 09:00 Uhr starteten wir zu unsere Tageswanderung. Wir waren ganz alleine unterwegs, als wir ostwärts der ersten Sehenswürdigkeit – dem Luogelkin-Viadukt – entgegenwanderten.
Unser Weg führte durch den lawinengefährdeten Luogelkin-Graben, den ein mächtiges Eisenbahnviadukt mit fünf charakteristischen, rund 20 Meter breiten Bögen überspannt. Der bis zu 50 Meter hohe Graben wird von dem 116 Meter langen Viadukt überquert, das 1912 fertiggestellt und 1986 talseitig auf Doppelspur ausgebaut wurde. Anhand der deutlich erkennbaren Farbunterschiede der Steine liess sich dieser Ausbau gut nachvollziehen.
Unser Weg führte nun fortan unterhalb der Bahnstrecke abwechslungsweise durch schroffes, offenes Gelände mit Aussicht sowie durch Waldabschnitte nach Brägji. Durch den Eichwald ging es vorbei am (leider geschlossenen) Bärgbeizli bei Rarnerchumma, ehe der Wanderweg in die wilden Ausläufer des Bietschtals hineinführte.
Hier trafen wir auf das markante eiserne Bietschtalviadukt, das hoch über dem Rhonetal als prägendes Bauwerk die Lötschberg-Bergstrecke über die Bietschlucht führt. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1913 ermöglicht die rund 140 Meter lange und 78 Meter hohe Bogenbrücke aus Stahlbeton eine stabile Trassenführung durch das steile Gelände und steht beispielhaft für die Ingenieurskunst der frühen Alpenbahnen.
Auf etwa 900 Metern Höhe gelegen, ist das Viadukt bis heute ein betrieblich wichtiger Teil der Verbindung zwischen Bern und Brig und zugleich ein landschaftlich eindrucksvolles Wahrzeichen, das vom Wanderweg aus besonders gut zu bestaunen ist.
Wir verliessen für ein paar Kilometer die Bahnstrecke und machten einen Schlenker über Riedgarto, während die Eisenbahntrassee direttissimo durch die Felsmassen führt. Kurz vor Ausserberg führte der Wanderweg schliesslich wieder entlang der Schienen.
In Ausserberg deckten wir uns für das Mittagessen mit dem von hier stammenden feinen Suonen-Bier ein. Ausserhalb der Ortschaft machten wir dann Rast, um uns für den zweiten Teil der Wanderung zu stärken.
Mit prächtiger Aussicht auf das Rhonetal ging unsere Wanderung weiter. Immer wieder gab es architektonisch eindrucksvolle Eisenbahnbrücken zu bewundern und auch als Wanderer konnte man sich an der einen oder anderen Überquerung von Hängebrücken erfreuen.
Die nächste Ortschaft, die wir passierten, war Eggerberg. Von hier an änderte sich der Charakter der Wegstrecke deutlich. Nach einer anfangs gemütlichen Altiplano-Strecke trafen wir vermehrt auf steile Auf- und Abstiege. Abwechslung boten die beeindruckenden alten Bewässerungskanäle (Suonen), die sich kilometerlang entlang der zerklüfteten Steilwände schlängeln und vom Mut und Geschick ihrer Erbauer zeugen.
Vor allem der letzte Abschnitt vor Brig hatte es in sich. Hätte ich mir die Route im Vorfeld genauer angeschaut, wäre die Überraschung nicht so gross gewesen. So kamen jedoch noch einige unerwartete zusätzliche Höhenmeter hinzu, was ja per se nicht schlimm war.
Die letzten Kilometer vor Brig verliefen nochmals wunderschön entlang der steilen Nordflanke des Rhonetals. Immer wieder schritten wir an steil abfallenden Wasserfällen vorbei, die zum Anhalten und Geniessen der Aussicht einluden. Bei Rossegga stiegen wir hinunter nach Z’Brigg, überquerten die Rotten und trafen wenig später nach 27 Kilometern und 685 Höhenmetern um 16:00 Uhr in Brig am Bahnhof ein.
Leider gab es im Bahnhofshop kein Suonen-Bier; dafür ein erfrischendes Rivella. Mit der schnellen Zugsverbindung über Olten war ich dann auch nach kurzer Reisedauer von rund zwei Stunden wieder zurück in Liestal. Dort holte mich verdankenswerterweise Tanja ab. Zum Velofahren hatte ich nach diesem Wandertag dann doch keine Lust mehr.
Fazit: Die Wanderung entlang der Lötschberger Südrampe ist ein sehr empfehlenswertes Wandererlebnis, das Natur, Kultur und Technik in eindrucksvoller Weise verbindet. Die abwechslungsreiche Routenführung, die weiten Ausblicke ins Rhonetal und die historischen Bauwerke der Lötschbergbahn machen die einfache Wanderung spannend und kurzweilig.


































































