Holzerhore

Die Überschreitung des Holzerhore von West nach Ost in einer wilden, felsigen Voralpenlandschaft mit überraschend alpinem Charakter und sehr schönem Blick auf die Alpenketten.

Zwei Dudes die sich zum Holzerhore (im Hintergrund) aufmachen.
Zwei Dudes die sich zum Holzerhore (im Hintergrund) aufmachen.

Sonntag, 04. April 2026

Seit über fünf Jahren klebte ein Post-it-Zettel in meinem SAC Berner Oberland Kletterführer. Seine gelbe Farbe war längst vergilbt, nicht jedoch der Gedanke, dem Holzerhore eines Tages einen Besuch abzustatten. Für eine Tour in den Voralpen war Ende April genau der richtige Zeitpunkt – endlich nahm ich mir gemeinsam mit Dominik das 1'946 Meter hohe Holzerhore vor.

Unterhalb des markanten, spitzen Pfeilers befindet sich der Einstieg.
Unterhalb des markanten, spitzen Pfeilers befindet sich der Einstieg.

Ausgangspunkt für die Tour ist die Alp Ramseren oberhalb von Boltigen im Niedersimmental. Von Adlemsried führt eine Privatstrasse hinauf zu Pt. 1361 am Ende der ursprünglichen Alp, wo sich einige Alphütten befinden und das Auto abgestellt werden kann. Wer die Strasse benutzt, ist aufgefordert, einen kleinen Beitrag in die Kasse am Wegrand zu werfen oder diesen via TWINT zu überweisen. 

Olli in der dritten Seillänge.
Olli in der dritten Seillänge.

Punkt 09:00 Uhr starteten wir auf dem Wanderweg in Richtung Westen, welcher zur Alp Nüschlete hinaufführt. Den Weg kannten wir noch vage von unseren Klettertouren auf die Chemi- und Mittagflue, doch dies war bereits über zehn Jahre her. Der Anblick auf die herrliche Sandmeierrippe der Mittagflue hatte über die Jahre jedoch nichts von ihrer Faszination verloren und wirkt noch immer spektakulär.

Der Zustieg von Nüschlete hinauf zum Westgrat des Holzerhore verlief weglos, war jedoch problemlos zu finden. Die Einstiegsstelle ist mit einem Stand versehen und dadurch einfach auffindbar.

Panorama
Panorama

Der Westgrat besteht aus gut gestuften Aufschwüngen und bewachsenen Passagen, sodass zwischen den kurzen, jedoch attraktiven Seillängen in hervorragendem alpinem Kalk immer wieder kurze Gehpassagen begangen werden müssen.

Dazwischen erwartet den Kletterer scharfkantiger Fels, gespickt mit Mulden, Kanten und Löchern. Dabei steigt die Schwierigkeit nie über 4a hinaus, was eine Begehung im alpinen Stil mit Bergschuhen zulässt. Diese sind für den Abstieg über den Ostgrat schliesslich unentbehrlich, denn die abschüssigen und ausgesetzten Passagen erfordern definitiv stabiles Schuhwerk.

Am Gipfel des Holzerhore
Am Gipfel des Holzerhore
"Zmittag"
"Zmittag"

Der breite Gipfel des Holzerhore lud zum Verweilen ein und eröffnete uns eine weite Aussicht auf das Berner Oberland, den Jaunpass, die Freiburger Voralpen und die nördlichen Voralpenlandschaften. Wir genossen die milden Frühlingstemperaturen und assen unseren mitgenommenen Lunch.

Doch die eigentliche Herausforderung des Holzerhore wartet im Abstieg über den Ostgrat. Wie bereits erwähnt, sind Bergschuhe sehr zu empfehlen und auch ein Pickel kann besonders im Frühling hilfreich sein, wenn nordseitige Schneefelder zu queren sind. An einer Stelle mussten wir sogar nochmals das Seil hervornehmen, um ein unangenehmes Firnfeld sicher zu überqueren.

Die Überquerung mit dem anschliessenden Abstieg ist anspruchsvoller als der Aufstieg.
Die Überquerung mit dem anschliessenden Abstieg ist anspruchsvoller als der Aufstieg.

Über einen Bogen zur idyllischen Alp Äbnet ging es anschliessend in südlicher Richtung auf einem Pfad durch den Äbnetwald hinunter zum Parkplatz bei Pt. 1361 auf der Alp Ramseren. Dort liessen wir die abwechslungsreiche Tour durch diese wilde, felsige Voralpenlandschaft mit überraschend alpinem Charakter nochmals Revue passieren.

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