Seven Sisters
Eine Küstenwanderung zwischen Himmel, Meer und strahlend weissen Kreidekippen auf dem South Downs Way von Holywell nach East Dean und Excat.
Donnerstag, 09. April 2026
Bei unserem Besuch bei Emilia in Eastbourne durfte eine Wanderung an Englands weisser Küste nicht fehlen. Dass die Grafschaft East Sussex zu den sonnigsten Regionen Grossbritanniens zählt, durften wir auch während unseres Aufenthalts im April selbst erleben.
Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen 15 Grad verliessen wir mit unserem Mietauto das historische Eastbourne Pier mit seiner breiten Strandpromenade, den gepflegten Gärten sowie den Häuserzeilen mit viktorianischer Architektur, um wenige Kilometer westlich der Stadt bei der kleinen Ortschaft Holywell unsere Küstenwanderung über die «Sieben Schwestern» zu beginnen.
Ein mächtiger Wegweiser des South Downs Way zeigte uns die Richtung nach Beachy Head. Der South Downs Way ist ein rund 160 Kilometer langer Fernwanderweg durch Südengland, der von Winchester bis nach Eastbourne führt und durch den malerischen South Downs National Park verläuft. Die Route ist bekannt für ihre sanften Kreidehügel, weiten Wiesen, historischen Wege und eindrucksvollen Panoramablicke. Als besonders spektakulär gilt jedoch der letzte Abschnitt an der Küste von East Sussex mit den berühmten Seven Sisters sowie den steilen Klippen von Beachy Head, die auch wir an diesem Tag entdecken wollten.
Wir schritten auf einem der zahlreichen Wege weiter in westliche Richtung und stiegen schliesslich steil hinauf nach Beachy Head. Die dortigen markanten Kreideklippen zählen zu den bekanntesten Grossbritanniens und fallen mit rund 162 Metern Höhe eindrucksvoll senkrecht in den Ärmelkanal ab. Von oben eröffneten sich spektakuläre Ausblicke entlang der Küste von East Sussex bis hin zu den Seven Sisters. Besonders eindrucksvoll war der Blick auf den tiefer gelegenen Beachy Head Lighthouse im Meer, zweifellos eines der beliebtesten Fotomotive der Region.
Gemütlicher ging es dann auf dem Weg zum Belle Tout Lighthouse zu und her. Er wurde im Jahr 1832 erbaut, um Schiffe vor den gefährlichen Kreidefelsen und Untiefen entlang dieser Küstenlinie zu warnen. Aufgrund seiner exponierten Lage hoch oben auf den Klippen entwickelte sich der Leuchtturm rasch zu einem markanten Wahrzeichen der Region. Später stellte sich jedoch heraus, dass Nebel und schlechte Sicht seine Wirksamkeit einschränkten, weshalb weiter unten im Meer der Beachy Head Lighthouse errichtet wurde.
Kurze Zeit später erreichten wir Birling Gap, wo wir uns im Visitor Center näher über die Umgebung informierten. Der Ort wird vom National Trust betreut, der sich dem Schutz dieser eindrucksvollen Natur- und Küstenlandschaft widmet.
Im Besucherzentrum erhielten wir spannende Einblicke in die Entstehung der Kreidefelsen, die fortschreitende Küstenerosion sowie die Tier- und Pflanzenwelt der South Downs. Anschauliche Tafeln zeigten zudem, wie sich die Küstenlinie im Laufe der Jahrzehnte verändert hat und weshalb in Birling Gap einzelne Häuser aufgegeben oder zurückgebaut werden mussten.
Wenige Zeit später verliessen wir die Küste und wanderten über einen der vielen grünen Höhenrücken, auf denen grosse Schafherden weideten, landeinwärts in das idyllische East Dean, von wo aus wir mit dem Bus nach Eastbourne zurückkehrten. Den zweiten Teil unserer Wanderung hoben wir uns für einen der nächsten Tage auf.
Samstag, 11. April 2026
Das Auto stellte ich in der Ortschaft Exceat auf dem offiziellen, kostenpflichtigen Seven Sisters Car Park ab. Gleich daneben befindet sich das Visitor Center. Trotz der windigen Verhältnisse herrschte an diesem touristischen Ausgangspunkt reger Betrieb.
Aufgrund des starken Windes entschloss ich mich, den restlichen Teil meiner Seven-Sisters-Wanderung in umgekehrter Richtung fortzusetzen, sodass ich den Wind nicht im Gesicht, sondern im Rücken hatte.
Bereits der erste Abschnitt hinunter zur Küste entlang des River Cuckmere war wunderschön. Links und rechts des Flusses erstreckten sich saftige Wiesen, auf denen Weidevieh graste. Bei Cuckmere Haven, ein weitläufiger Strand, mündet der Fluss in den Ärmelkanal. Von hier bot ich mir ein malerischer Blick auf die steilen Kreidehänge der Seven Sisters sowie zurück auf die farbenfrohen Grasflächen der Küstenlandschaft.
Dann startete ich schliesslich auf die berühmte Kette der weissen Kreidekippen. Dabei handelt es sich nicht um sieben einzelne Berge, sondern um eine Reihe von aufeinanderfolgenden Hügelrücken und dazwischen eingeschnittenen Tälern, die direkt an der Küste abrupt als Kreidefelsen ins Meer abfallen. Von der Ferne wirken diese markanten Wellenformen wie sieben nebeneinanderstehende „Schwestern“.
Entstanden ist diese Landschaft vor rund 70 bis 100 Millionen Jahren, als dieses Gebiet unter einem warmen Urmeer lag. Dort sammelten sich über sehr lange Zeit winzige Kalkschalen von Meeresorganismen am Meeresboden an. Daraus entstanden dicke Kreideschichten. Später hob sich das Land durch tektonische Prozesse an, sodass die heutigen Hügel der South Downs entstanden. Wind, Regen, Bäche und besonders die Brandung des Ärmelkanals formten danach die Täler und die steilen Abbruchkanten der Klippen.
Ich überquerte eine Sister nach der anderen, bis ich schliesslich erneut auf jenen Weg traf, der mich bereits auf der letzten Etappe von der Küste hinauf in die Ortschaft East Dean geführt hatte. Dieses Mal kehrte ich dort jedoch im historischen und traditionsreichen Country Pub Tiger Inn zu einer Pause ein und genoss zwei Pints frisch gezapftes Guinness.
Idyllisch direkt am Village Green gelegen, gilt das Haus als klassischer englischer Landgasthof voller Charme und Atmosphäre. Das traditionsreiche Gebäude blickt auf eine lange Geschichte zurück und begeistert mit offenen Kaminen, niedrigen Holzbalken sowie einem gemütlichen Interieur, das den unverwechselbaren Flair eines alten englischen Pubs auf mich ausstrahlte.
Ein wenig wackelig auf den Beinen setzte ich am späteren Nachmittag meine Wanderung zurück nach Exceat fort. Hinter der Küstenstrasse führte ein schöner Rad- und Wanderweg durch einen lichten Wald. Nach rund fünf Kilometern erreichte ich schliesslich den Wanderparkplatz und mein Auto. Somit schloss ich meine Seven-Sisters-Wanderung ab.






















































